Am Melchinger Lindenhof hatte am Donnerstagabend Markus Köbelis bitterböse Komödie „Holzers Peepshow“ Premiere
MELCHINGEN. Da sitzen sie und löffeln mürrisch ihre Suppe aus. Vater, Mutter Tochter, Sohn – und der alte Bauer. Der wird 90. Ihr Holzerhof ist auf dem absteigenden Ast. Aber noch ist nicht aller Tage Abend, droben im Gebirg. Man muss sich nur was einfallen lassen. Mit der Zeit gehen. Am gestrigen Donnerstagabend hatte „Holzers Peepshow“ von Markus Köbeli Premiere in der nicht ganz ausverkauften Scheune des Melchinger Lindenhof-Theaters. Das Publikum lachte sich schlapp über den übermütigen Bauern-Schwank. Doch der endet eher bitter.
Es ist ein Stück für vier Personen (Bertold Biesinger, Linda Schlepps, Hannah im Hof, Luca Zahn) – und eine Puppe, die den hinfälligen Großvater gibt. Carola Schwelien führt Regie. Markus Köbeli, ein gebürtiger Berner, der auch mit viel Satire im Schweizer Fernsehen bekannt geworden ist, hat es eine Komödie genannt. Das ist etwas irreführend. Denn „Holzers Peepshow“ beginnt als derber Schwank zwischen wortverspieltem Bauerntheater in örtlichem Dialekt (aus Schwyzerdütsch wurde Schwäbisch), Comedy und Slapstick. Es darf schenkelgeklopft und lauthals gelacht werden. Doch das bleibt im Halse stecken. Denn nach der Pause wird daraus eine surreale Groteske, eine ländliche Horror-Show, ein alpiner Alptraum: Skripted Reality. Die Geschäftsidee hat funktioniert.
„Bauern sterben“ hieß schon das Drama von Franz Xaver Kroetz, mit dem der Lindenhof im Jahr 1991 in der Unterjesinger Kelter Tübinger Sommertheater machte. Das war eine Tragödie. Am realen Hintergrund hat sich seither nichts geändert. Der Bauernstand stirbt, rasant und unaufhaltsam…
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