Bühne

Zimmertheater – Keine Kritik

In eigener Sache: Intendant Thomas Bockelmann hält sein Hausverbot gegen den Cul-tu-re.de-Kritiker aufrecht. Hintergrund ist die Verleumdung durch einen Trans-Aktivisten (m/w/d)

TÜBINGEN. Immer wieder kommen Anfragen, warum Cul-tu-re.de keine Kritiken mehr über die Premieren des Tübinger Zimmertheaters veröffentlicht, etwa zu Shakespeares „Sturm“ am gestrigen Samstagabend mit dem großartigen Bernhard Hurm, dem emeritierten Lindenhöfler. Der Grund ist einfach: Intendant Thomas Bockelmann (71) hat kurz nach Beginn der Spielzeit 25/26 – er war nach dem vorzeitigen Abgang der alten ITZ-Intendanz kurzfristig im April 2025 zum Nachfolger berufen worden – ein Hausverbot für den Kritiker ausgesprochen.

Das Zimmertheater in der Bursagasse. Archivbild: Cul-tu-re.de/Bernklau

Zunächst schien der unsägliche Konflikt mit der Vorgänger-Crew (https://cul-tu-re.de/zimmertheater-schliesst-presse-aus/) bereinigt und einvernehmlich vergessen, unter Mitwirkung von OB Boris Palmer und Kulturbürgermeisterin Gundula Schäfer-Vogel. Er sollte, einvernehmlich, auch in Cul-tu-re.de nicht mehr erwähnt oder gar zum Thema gemacht werden. Und das, obwohl ein übernommener Theken- und Büromitarbeiter aus der alten ITZ-Riege die Vorwürfe der Zensur durch heuchlerisches Rausmobben des unliebsamen Kritikers in einer E-Mail ausdrücklich bestätigt, aber nie plausibel begründet oder gar belegt hatte:

„(...)Ich möchte, in „eigener“ Sache anmerken, dass, soweit ich weiß, es nie um „kritische“ Kritiken ging, die Sie in Missgunst beim ehemaligen ITZ brachten. Sondern um queerfeindliche Ausdrucksweisen. Ein simples Beispiel hierfür ist, dass Sie in vergangenen Kritiken eine nicht-binäre Schauspielende Person an unserem Theater mit „es“ betitelten (...)“

Diese(r) Alva Auer war es auch, der/die am Rande der ersten Premiere in der Bockelmann-Ära – mit George Taboris „Mutter Courage“ (https://cul-tu-re.de/zimmertheater-zur-rechten-zeit/) – vom Kritiker auf die Angelegenheit und seine E-Mail angesprochen wurde und alles bestätigte, eben auch das schäbige Hinausdrängen der unliebsamen Presse unter dem verlogenen Standard-Vorwand „leider ausverkauft“.

Die letzte Zimmertheater-Kritik auf Cul-tu-re.de: „Patient Zero 1“. Archivbild Bernklau

Nach Veröffentlichung der Rezension zur zweiten Neuinszenierung „Patient Zero 1“ (https://cul-tu-re.de/zimmertheater-requiem-fuers-itz/) kam ein Anruf von Intendant Bockelmann, worin er mit Grabesstimme nachfragte, was der Kritiker sich bei der Äußerung gegenüber Alva Auer gedacht habe „Zeig mir doch mal, was du zwischen den Beinen hast!“, die in dem kurzen Austausch natürlich nie gefallen war, auch nicht in irgendeiner auch nur annähernd ähnlichen Form. *1) Sie läge so weit unter jedem denkbaren Niveau des Rezensenten, dass es nur absurd ist. Doch Bockelmann beharrte: Es gebe Zeugen (was nur eine zweite, weibliche Thekenkraft sein konnte).

Weil eine Unterstellung dieser Art den Ruf eines Kritikers in der Tübinger und Reutlinger Theater- und Kulturszene in der Tat massiv und nachhaltig schädigen könnte, erwartete Cul-tu-re.de ein ausdrückliches Dementi des Intendanten und dessen Weisung an den/die Angestellte/n, diese frei erfundene, erstunkene und erlogene üble Nachrede fortan zu unterlassen. Dazu war Thomas Bockelmann auch nach mehreren Telefonaten nicht bereit. Worauf der Kritiker per E-Mail ankündigte, Anzeige wegen Verleumdung und übler Nachrede (nach § 187 und §186 StGB) zu erstatten. Bockelmann reagierte daraufhin, gleichfalls per Mail, mit einem „Hausverbot für alle Räume des Zimmertheaters“.

Am Rande von Thomas Bockelmanns erster Inszenierung („Mutters Courage“ von Georges Tabori) kam es zu dem Gespräch mit dem/der Trans-Aktivisten/in Alva Auer. Archivfoto: Cul-tu-re.de/Bernklau

Die Anzeige erfolgte tatsächlich. Nach mehreren Monaten und Vernehmungen der Beteiligten stellte die Staatsanwaltschaft Tübingen das Ermittlungsverfahren ein, da „kein öffentliches Interesse an einer Strafverfolgung“ bestehe. Das kann der Amtsanwalt so sehen, wenn er nicht mit den Gepflogenheiten des Kulturbetriebs vertraut ist. Er kann die Sache auch als „Drei-Personen-Konstellation“ werten, den Aussagen der anderen Seite eher zuneigen und „tendenziell einen Belastungseifer“ des betroffenen Journalisten vermuten.

Diesem freilich kann sein so niederträchtig angegriffener Ruf in Öffentlichkeit und Kulturszene in der Tat nicht gleichgültig sein. Es ging ihm um das Unterlassen dieser Äußerungen, die das Canceln von Presse durch Aktivisten einer anmaßenden Trans- und LGBTQ-Szene fortsetzt, die aggressiv, überempfindlich und völlig humorbefreit eine Dominanz in der Tübinger Kultur und sogenannten Zivilgesellschaft beansprucht. Man versteht da keinerlei Spaß. Das ist „Kampf“.

Dass sich ein erfahrener Theater-Regisseur und Intendant wie Bockelmann dabei nicht missbraucht fühlt, sondern selbst zu Methoden greift, die dem Maßstab einer freien Meinungsäußerung und offenen Debattenkultur um das Theater Hohn sprechen, ist erstaunlich. Aber dass die Urteilskraft im Alter nachlässt, soll vorkommen. Auch von Ranwanzen an jüngere Generationen hat man bei älteren Semestern schon gehört.

Wir wiederholen es gern und nehmen „juristische Schritte“ der Gegenseite dabei bereitwillig in Kauf: Die einstigen „queeren“ ITZ-Aktivisten des Zimmertheaters haben eine – keineswegs auf Verriss gebürstete, sondern fair, sogar wohlwollend kritisierende und ideologisch tolerante – Presse mit schäbigen Methoden auszugrenzen versucht. Was bewiesen ist. Diese Cancel-Culture setzt Bockelmann fort, warum auch immer.

Das unversöhnlich bockige Hausverbot durch den Intendanten geht natürlich weit mehr zulasten des Zimmertheaters selbst als zulasten von Cul-tu-re.de, das als regionales Kulturportal (mit 43 000 Zugriffen im Jahr 2025) – in aller Bescheidenheit – längst eine gewichtige Stimme geworden ist. „Ned amoi ignoriern“, würde ein Karl Valentin dem Intendanten entgegenspotten.

Dass die Lokalpresse von Tagblatt und GEA gegen die Ausgrenzung anderer Pressekollegen nicht solidarisch Stellung bezieht (wie Cul-tu-re.de gegen die Kürzungen der Zuschüsse für das ITZ-Zimmertheater durch die Stadt), ist ein bedrückendes Kapitel für sich. Es mag im Kampf gegen eine enteilende publizistische Konkurrenz begründet liegen oder in der kritikfrei unterwürfigen Liebedienerei gegenüber einem woken Zeitgeist, der seinen teils aggressiven Monopolanspruch freilich zusehends zerrinnen sieht, irgendwann gewiss auch in Tübingen.

*1) Tatsächlich hatte der – tatsächlich ratlose – Rezensent am Ende des beiderseits durchaus freundlich getönten Gesprächs Alva Auer gefragt, wie er/sie denn nun angesprochen werden wolle: „Auf jeden Fall nicht männlich“, war die Antwort. „Okay“ das Schlusswort.

Titelfoto: Zimmertheater

Nachtrag zur Klarstellung: Der Cul-tu re-de-Kritiker verordnet sich weder politisch noch in der Ästhetik als konservativ oder gar „rechts“. Im Gegenteil: Zwar kulturkonservativ katholisch erzogen, dann im Studium auch marxistisch geschult, rechnet er sich eher der traditionellen Linken zu – geprägt von antiker Kultur und römischem Rechtsverständnis, von jüdischer und christlicher Tradition als Grundlagen einer humanistischen, wissenschafts-basierten Aufklärung. Dabei empfindet er sich in jeglicher Praxis als zutiefst liberal (und in alter Ablehnung von Sowjet-Kommunismus und Honecker-DDR wie auch dem „chinesischen Weg“), auch gegenüber „non-binären“ Lebensweisen.

Schon als Enkel eines enteigneten Verlegers, abgesetzten Chefredakteurs und in Schutzhaft gesteckten Hitler-Gegners versteht er sich selbstverständlich als Antifaschist. Viele der „woken Essentials“ vom Klimaschutz über (Trans-)Gender, auch Metoo, Ukraine-Aufrüstung und verantwortungslose Kriegspropaganda, viele der „antirassistischen“ und „antikolonialistischen“ Identitäts-Narrative, auch die pseudo-wissenschaftliche Ausgrenzung jeglicher noch so seriöser, rationaler und berechtigter Corona- oder Impfkritik und manches mehr hält er – bei aller teilweisen Berechtigung – nicht für „linke Projekte“.

Religionskritik hingegen, nicht nur für Marx Anfang und Kern aller Gesellschaftskritik, beinhaltet selbstverständlich auch Islamkritik. Sein besonderer Widerstand gilt dem explodierenden Antisemitismus, der dem Judenhass, dem Vernichtungs-Rassismus der Nazis, erschreckend eng verwandt ist – vor wenigen Jahren noch völlig unvorstellbar.

Die zur Rede stehende (auch Tübinger) LGBTQ+-Community vertritt im aktiven Kern ca. 0,8 Prozent der erwachsenen Menschen in Deutschland – deutlich mehr jüngere als ältere. Zahllose Feministinnen, Lesben, Schwule und Bisexuelle fühlen sich von dieser Gruppe nicht vertreten. Sie wollen keine verkleideten Männer, keine (ehemaligen) Penisträger in geschützten Frauenbereichen, keine Trans-Aktivisten in Schulen oder gar Kindergärten und fürchten sich als Schwule eher vor islamistischen Übergriffen als vor als „transphob“ verleumdeten Menschen. Sie wollen keine „Queers for Palestine“, die Parolen der Mörder-und Frauenschänder-Barbaren von der (extrem homophoben) Hamas skandieren, die nichts anderes als einen weltweiten Holocaust 2.0 fordern. In Gaza würden sie, als „Queers“ erkannt oder gar aktiv, binnen kürzester Zeit umgebracht.

So, das mag jetzt Hunderte bisher treuer Leser gekostet haben. Sei`s drum. Täglich kommen neue hinzu. M.B.





1 Comment

1 Comment

  1. Bea Schmidt

    04.05.2026 10:31 at 10:31

    Ist dieses sachfremde und argumentfreie Gegeifer noch bloße Cancel-„Culture“ mit dümmlichen Etiketten („queer- bzw. transfeindlich“, oder ist das schon „Hass und Hetze“ samt übler Nachrede, mit erfundenen Behauptungen („Die gesamte Kulturszene….weiß…“), Desinformation („urheberrechtlich geschützt“), fragt die Redaktion (M.B.)

    Spätestens mit dem letzten Absatz enttarnt sich der Autor selbst als absolut queer-, bzw. transfeindlich. Die Anschuldigungen gegen ihn erscheinen daher realistisch – nicht zuletzt erscheint die namentliche Nennung eines*einer Mitarbeiter*in und nicht enden wollende Empörung über die Vorwürfe reichlich überzogen. Und unabhängig von diesen Vorwürfen: Die gesamte Kulturszene in und um Tübingen herum weiß um das häufige Fehlverhalten von Herrn Bernklau – sei es, immer wieder in (urheberrechtlich geschützten) Veranstaltungen zu fotografieren, Anweisungen von Mitarbeitenden zu ignorieren, Ungehalten bis aggressiv auf jeglichen Hinweis auf die Hausordnungen etc. zu reagieren oder sonstige Respektlosigkeiten, auch schriftlich festgehalten in diversen „Kritiken“ und Berichterstattungen. Thomas Bockelmann hat hier die einzig richtige Entscheidung getroffen, Danke dafür! Mögen noch viele weitere Kulturinstitutionen folgen!

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