Musik

Spark – Die jungen Wilden

Beim Kammermusikzyklus im kleinen Saal der Reutlinger Stadthalle war am Freitagabend die „klassische Band“ zu Gast

REUTLINGEN. Ein Publikumsmagnet: die „klassische Band“ Spark um Andrea Ritter und Daniel Koschitzki, diesmal im traditionsbewussten Reutlinger Kammermusikzyklus vor dem vollbesetzten Auditorium des kleinen Saals der Stadthalle. Daniel Koschitzki, der die Moderation übernimmt, würdigt ausdrücklich diese Ehre. Einen Monat zuvor war ein Streichquartett zu Gast, zum Abschluss am 19. Mai kommt das Klavierduo Stenzl.

Und nun die „jungen Wilden“ von Spark https://www.spark-die-klassische-band.de/. Mittlerweile dürfen sie sich als etabliert betrachten: 2007 gegründet, haben sie einen eigenen Stil kreiert und profitieren vom langjährigen Zusammenspiel; nur das Cellopult hat zwischendurch gewechselt, seit 2025 ist die Cellistin Isabel García Castro dabei.

Die Saiten-Fraktioin von Spark: Stefan Balazsovics, Christian Fritz und Isabel García Castro . Fotos: Susanne Eckstein

Dieser eigene Stil basiert auf einem Grundmuster, das die regelmäßigen Figurationen der Barockmusik mit der „Masche“ der Minimal Music verbindet, Begleitfiguren zur Hauptsache zu erheben. Als Musterbeispiel kann man Händels „Einzug der Königin von Saba“ mit seinen opulenten Arpeggien hören.

Hinzu kommt der rockige Drive der Popmusik, allerdings hier gänzlich unplugged, ohne E-Bass, ohne Drumset: Die mitreißende Bewegung kommt aus den Musizierenden selbst, Bässe und Perkussion steuert der Konzertflügel bei; der besitzt gegenüber dem Cembalo den Vorteil, dass sein sonorer Klang auch in großen Sälen trägt. Den Steinway spielt der vielseitige Komponist und Pianist Christian Fritz, der zu Beginn und zwischendurch mit subtilem Anschlag und sensiblem Ausdruck auf sich aufmerksam macht. Klavier und Cello bilden, wenn man so will, die Continuogruppe.

Als Melodiestimmen fungieren meist die Blockflöten von Ritter und Koschitzki, als vielköpfige Familien von Sopranino bis Bass griffbereit aufgestellt, gespielt im Wechsel mit der warm intonierten Violine und Bratsche von Stefan Balazsovics. Die ebenfalls verwendete Melodica dient eher als Füllstimme.

Das Arsenal der Blockflöten steht griffbereit. Foto: Susanne Eckstein

Das nun aufgelegte Programm nennt sich „Be Baroque – Auf Tuchfühlung mit Bach, Vivaldi, Händel, Berio & Co.“ Berio? Richtig, Luciano Berio, berühmter Avantgardist des 20. Jahrhunderts. Hier illustriert er im Wechsel mit den Beatles und dem Stuttgarter Komponisten Sebastian Bartmann (der erst kürzlich in Metzingen zu erleben war) all die Übergänge zwischen Alt und Neu, Neu und Alt, die das ganze Programm prägen. Berios „Wasserklavier“ ziert als überraschend schlichtes, herb-romantisches Klavierstück die Mitte des zweiten Teils.

Ansonsten geht es meist in Zweier-Blöcken im fliegenden Wechsel hin und her, vor und zurück zwischen (beispielsweise) Bach und Fritz, Bartmann und Graupner, generell zwischen Barock und – ja was? Minimal music, Beat, Rock, vor allem gekonnt Neukomponiertem auf der Basis barocker Elemente.

Andrea Ritter und Daniel Koschitzki mit ihren Bassblockflöten. Foto: Susanne Eckstein

Die Barockmusik ist teils original, die beiden Blockflötisten sind versierte Vertreter ihres Fachs, wobei sie gern auch die Traversflöte ersetzen, wie in Bachs Suite h-Moll oder Telemanns Konzert e-Moll für Block- und Traversflöte. Dessen polnische Tanzrhythmen lassen Sparks (schon im Namen enthaltene) Funken sprühen.

Unterbrochen wird der durchlaufende Drive durch Solostücke wie das erwähnte „Wasserklavier“ und „Mrs. Keel“ des Iren Turlough O’Carolan, bei dem Daniel Koschitzki die Qualitäten der Ganassi-Flöte ausdrucksvoll zur Geltung bringt. Auch das sanfte Duett der beiden dunkel raunenden Bassblockflöten in der Bearbeitung einer Händel’schen Sarabande bietet Hörgenuss pur.

Doch den größten Teil bilden fein getupfte pointillistische Pizzicati sowie präzis gehämmerte, ekstatische Ostinati, die – den Erwartungen des Pop-Publikums entsprechend? – im zweiten Teil zu glühender Spielwut gesteigert werden. Am Ende steht ein Stück namens „B(e) to B(e)“, in dem Spark und Sebastian Bartmann ein Bach-Zitat aus der h-Moll-Suite mit Beatles-Motiven aus „Eleanor Rigby“ zu einer reizvollen neuen Einheit verknüpfen.

Der Jubel des Publikums nach den einzelnen Blöcken verstärkt sich beim Schlussapplaus zu stehenden Ovationen, als Dank und Dreingabe beschließt Bachs liebliches „Schafe können sicher weiden“ aus BWV 208 den Auftritt.

Stehende Ovationen für das Quintett. Foto: Susanne Eckstein

Click to comment

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

To Top