Im Kloster Bebenhausen widmete sich Frank Schlichters Chor Semiseria am Donnerstagabend mit Wort und Klang dem „Circle of Life“
BEBENHAUSEN. Das stille Kloster der Zisterzienser im Goldersbachtal hat der Tübinger Chor Semiseria schon öfter zur Kulisse für Konzerte gemacht, die zu Sommer-Events wurden. „Circle of Life“ hieß die Folge von Vokal-Arrangements zwischen Rock, Pop und Ethno und geistlich-spiritueller Gegenwartsmusik. Die Schauspierlerin Pia Maria Fedelucci ergänzte die Klänge mit großer Lyrik von Rilke, Ringelnatz oder Hesse, aber auch mit vergnüglicher Prosa über Erwartungen ans Leben aus jugendlicher Perspektive. Frank Schlichters Chor wandelte am Donnerstagabend mit seiner Instrumentalgruppe aus Keyboarder Cornelius Schock und einer Percussionistin vom Kreuzgang übers Sommerrefektorium bis in die Klosterkirche. Am heutigen Freitag wird das Bebenhäuser Konzert wiederholt.

Die Besucher ließen sich im Durchgang von „Abeeyo“ begrüßen, einem Ruf australischer Aborigines. Im Sommerrefektorium (dort blieben ein paar Plätze frei, die Kirche im zweiten Teil war voll besetzt) begann der an die 60 Stimmen starke Chor mit John Rutters Hymnus „For the Beauty of the Earth“, dessen zunächst einstimmige Melodien über Klavierarpeggien von den Frauen zu den Männern wandern und sich zum vielstimmigen Lob der Schöpfung verdichten. Danach folgten mit einem Arrangement von Elton Johns „The Circle of Life“, das die Zuhörer rhythmisch unterfüttern durften, der Titelsong und das minimalistisch ansetzende „Newborn“ von Bob Chilcott (*1955) über den Beginn des Lebens, wozu sich die Frauen für besondere akustische Effekte seitlich in die Tiefe des Raums ausbreiteten.
„Jacob Collier („Little Blue“), Ériks Ešenvalds („Only in Sleep“), auch Allah Rakha Rahman („Balleilakka“) sind bekannte Namen in dieser internationalen chrorischen Mixed Zone zwischen Ethno, Rock, Pop und auch etwas Jazz. Ihre Stücke wurden mit einem fröhlichen Rückgriff auf einen Renaissance-Choral Giovanni Gastoldis ergänzt, den Semiseria mit den deutschen Worten „An hellen Tagen“ unterlegte. Der Chor, sonst auch für feinere Stimmbildung bekannt, sang diese unbeschwerte Musik ganz frei von der Leber weg mit einem Touch ins Robuste, ließ aber an vielen leiseren oder solistischen Stellen auch nuanciertere Klangkultur aufleuchten.

Auch die drei Fledermäuse, die sich gegen Ende eongefunden hatten, fanden den kleinen Ausgang des Sommerrefektoriums wieder. Auditorium und Musiker begaben sich ohne Hast über den Kreuzgang in die Klosterkirche, wo Semiseria mit dem vielleicht schönsten Klangstück des Abends den zweiten Konzertteil begann: mit „Dirait-on“ (nach einem französischen Rilke-Gedicht aus seinem Rosen-Zyklus) von Morten Lauridsen, dem 1943 geborenen Amerikaner dänischer Herkunft, der sein Schaffen ganz der Vokalmusik widmete. Fast verwandt klang diesem Stück ein Arrangement des Sting-Hits „Fields of Gold“. Auch „And so it Goes“ von Billy Joel hatte diesen getragenen, manchmal balladesken und etwas universalistisch frommen Ton. Ein wenig dissonant angeschärft war dieses Getragene, Feierliche – nach Rilkes „wachsenden Ringen“ – in dem Abendlied „Good Night, Dear Heart“ von Dan Forrest (*1978).

Mit Hermann Hesses Gedicht vom Abschiednehmen und Gesunden leitete Pia Maria Fedelucci dann über zum Schluss, dem sehr sanft arrangierten Protestsong Bob Dylans „The Times They Are A-Changin'“, der das Thema des Abends auf seine Art zusammenfasste: Die Zeiten, das Leben, ja, alles wandelt sich.

Vielleicht war es etwas trennend, störte den großen beschaulichen und besinnlichen Bogen ein wenig, dass die Zuhörer nach jedem Stück klatschten. Ganz am Ende war der lange Beifall aber doch sehr verdient für dieses bunte, auch in der Stückauswahl ganz gegenwartsbezogene Sommerkonzert. Ganz gelassen ging man dann auch vom Programm zur Geselligkeit im wunderbaren Kreuzgang über, in dem es dann allmählich Nacht wurde.
Info: Das Semiseria-Chorkonzert „Circle of Life“ wird unter der Leizung von Frank Schlichter am heutigen Freitag um 20 Uhr ein zweites Mal im Kloster Bebenhausen gegeben. Am 28. Juni 2026 um 19 Uhr folgt auf der Ergenzinger Liebfrauenhöhe ein weiterer Auftritt

Info: Das Semiseria-Chorkonzert „Circle of Life“ wird unter der Leitung von Frank Schlichter am heutigen Freitag um 20 Uhr ein zweites Mal im Kloster Bebenhausen gegeben. Am 28. Juni 2026 um 19 Uhr folgt auf der Ergenzinger Liebfrauenhöhe ein weiterer Auftritt.


