Musik

Motette – Reine Mädchenstimmen

In der Stiftskirchen-Motette sang am Samstagabend der Mädchen-Konzertchor des Karlsruher Cantus Juvenum

TÜBINGEN. Mädchenchöre sind seltener als solche für Knaben, die bei Auftritten oft mit älteren Semestern für die tieferen Lagen aufgestockt werden. Als Teil eines erfolgreichen Jugend-Projektes zweier evangelischer Kirchengemeinden in Karlsruhe mit dem Namen Cantus Juvenum hat sich innerhalb dieses Unterfangens der reine Mädchenchor unter der Leitung von Peter Gortner ein ganz eigenes Profil aufgebaut und schon viele Auszeichnungen erworben. Unter dem Titel „Prisma – Klangfarben der Mädchenstimme“ zeigte das rund 30 Stimmen starke Vokalensemble am gestrigen Samstagabend einem nicht gar so großen Motettenpublikum darüber hinaus auch ein Repertoire, das von der Renaissance bis zu avancierten Werken mit Percussion und Choreografie reichte.

Der Karlsruher Mädchenchor, sein sehr einfühlsame Klavierbegleiter Ingo Bredenbach, sein Dirigent Peter Gortner und der Liturg bei dieser besonderen Motette. Foto: Martin Bernklau

Die besondere Klangfarbe zeigte sich schon bei den zwei einleitenden Werken aus der Spätrenaissance, dem Hymnus „O sacrum convivium“ des Spaniers Tomás Luis de Victoria (1548 -1611) und dem „Cantate Domino“ von Giovanni Croce (1557-1609), der am venezianischen Markusdom wirkte. Bei dem fröhlichen Lobpreis des Italieners ergänzten die jungen Sängerinnen die bewegte Mehrstimmigkeit schon durch dezente Bewegungen, was sich später noch erweitern sollte. Sehr bewusst dann der moderne Kontrast mit einem kurzen dreistimmigen „Ave Maria“ der britischen Komponistin Cecilia_McDowall (*1951″) das mit seinen gregorianischen Anklängen und ausdrucksstarken Reibungen zu deren weltweit erfolgreichsten Stücken zählt. Mit sparsam klarem Dirigat erreichte Peter Gortner nicht nur hierbei absolute Reinheit und Präzision.

Dann folgte ein romantischer Teil, der ganz ätherisch mit „Hebe Deine Augen auf“ begann, dem trostreichen Engels-Terzett aus dem „Elias“, von Felix Mendelssohn ausdrücklich für Frauenstimmen vorgesehen. Antonín Dvořáks „Der Herr ist mein Hirte“ aus den „Biblischen Liedern“ ist in seiner meditativen Schönheit vielfach bearbeitet worden. Hier setze nach einem Intro a cappella die sanfte bewegte Begleitung von Ingo Bredenbach am Bösendorfer-Flügel ein. Ganz intim klang auch Joseph Gabriel Rheinbergers zweistimmiger Hymnus „Inclina Domine“, um 1880 entstanden.

Dirigent Peter Gortner. Foto: Martin Bernklau

Johannes Brahms hatte die danach aufgeführten fünf Volkslieder in jungen Jahren zu einer Zeit geschrieben, als er den Hamburger Frauenchor leitete. Trotz eher straffer und alles Schmachten vermeidender Ausdeutung hatten die Lieder doch viel ausdrucksstarke Kontur. Besonders im dialogischen „Schwesterlein“ zeigte sich die feine Sprachbehandlung. Das traurige Liebeslied „Da unten im Tale“ ergänzte der Mädchenchor wieder um tänzerische Elemente und Percussion – ohne Dirigent vorn zu einer Rundgruppe in Bewegung formiert.

Der Mädchenchor, bei Brahms ohne Dirigent zur Choreo formiert. Foto: Martin Bernklau

Nach liturgischen Zwischenspiel und Gemeindelied (von Ingo Bredenbach wie immer kunstvoll eingeleitet, aber diesmal am Flügel begleitet) ging es nach England mit Edward Elgars „My Love Dwelt in a Northern Land“, einem wohl autobiografisch getönten Liebeslied, komponiert zu seiner Hochzeit 1889, und dem ebenso romantischen „As Torrents in Sumnmer“ in einer Bearbeitung für Frauenstimmen und Klavier. Auch im Englischen beeindruckte der Konzertchor mit feiner Sprachbehandlung. Dem Vaterunser und dem Segen folgte die an Gregorianik gemahnende einstimmige Version von Marcel Duruflés „“Notre Père“ als schlichte Kantilene.

Der Mädchen-Konzertchor des Karlsruher Cantus Juvenum: Foto: Martin Bernklau

Bevor sich der Mädchenchor mit Engelbert Humperdincks „Abendsegen“ verabschiedete, kam noch ein fast spektakuläres zeitgenössisches Intermezzo. Mit dem Volkstanzstück des slowenischen Komponisten Samo Vovk (*1989) aus seinem heimatlich alpinen Resiatal haben in verschiedenen Varianten schon viele Jugendchöre Furore gemacht. Das gilt auch für das vierstimmige „Ikimilikiliklik“ von Tobin Stokes (*1966), dem Kanadier. Da werden nicht nur alle stimmlichen Möglichkeiten vom Flüstern bis zum Schreien perkussiv ausgelotet. Da wird auch geklatscht, getrampelt, getanzt, gewedelt und vieles mehr – choreografisch erweiterte Vokal-Events, so mitreißend, dass es Szenenapplaus gab.

Auch der lange Beifall am Ende galt einem in all seiner Vielfalt höchst eindrucksvollen, gesanglich herausragenden Auftritt des Karlsruher Mädchenchors.

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