Das Schwarzenberg Trio aus Wien musizierte am Samstagabend im Uracher Bürgersaal Schlossmühle
BAD URACH. Allzu oft finden Kammermusik-Konzerte im Ermstal ja nicht statt, und auch das Publikum ist nur begrenzt verfügbar, zumal an sonnigen Frühlingstagen. Umso bedauerlicher ist es, wenn ein internationales Klaviertrio und ein regionales Streichquartett am selben Samstag in Metzingen-Neuhausen und in Bad Urach auftreten, gefolgt von einem Klavierduo am Sonntag. Eine schwierige Wahl – in diesem Fall fällt sie auf den ersten, den Samstagabend der „Kammermusik im Bürgerhaus“ Bad Urach, der kleinen feinen Konzertreihe, die seit 2010 als Gegenstück zu den Herbstlichen Musiktagen jährlich im Frühjahr (auch unter schwierigen Rahmenbedingungen) ihre Fortsetzung und ein interessiertes Publikum findet. Unterm Dach des Bürgerhauses Schlossmühle verfügt sie über eine akustisch wie architektonisch exzellente Spielstätte.
Tatsächlich sind die Reihen fast voll, als das Schwarzenberg Trio aus Wien aufs Podium tritt. Seinen Namen hat es vom Schwarzenbergplatz, wo sich die drei zusammengefunden haben: Franz-Markus Siegert (Violine), Roland Lindenthal (Violoncello) und Hanna Bachmann (Klavier); Roland Lindenthal übernimmt die Moderation und erläutert die Werke im biographischen Kontext.
Auf dem Programm stehen drei Originalwerke: Joseph Haydns Klaviertrio C-Dur Hob. XV:27, Gabriel Faurés Klaviertrio d-Moll op. 120 und das Klaviertrio d-Moll op. 49 von Felix Mendelssohn Bartholdy. Während die Trios von Haydn und Mendelssohn bekannt sind, darf man Faurés spätes op. 120 als Rarität einordnen.
Den Anfang macht Haydn, der mit über 60 Jahren der Einladung nach London folgte und dort kompositorisch aufblühte. Unter den Händen des Schwarzenberg Trios sprüht dieses C-Dur-Trio vor Musizierfreude; deutliche Artikulation schärft die Konturen, Pausen werden zeitbewusst gestaltet. Dem alten Muster folgend führt das Klavier; Violine und Cello haben sich erst später (parallel zur bürgerlichen Umwälzung) aus der Begleitrolle emanzipiert. Dennoch erlebt man drei eigenständig Musiker, die sich konzentriert zur gemeinsamen Gestaltung verbinden und Haydns sprühenden Geist – besonders deutlich im Finale – kongenial und quicklebendig umsetzen.

Gabriel Faurés Klaviertrio op. 120 erschließt sich nicht so leicht. Dabei handelt es sich nicht nur um ein „Spätwerk“, wie es etwa im Falle Schuberts einem 30-jährigen zugeordnet wurde, sondern um ein wirkliches Alterswerk, entstanden 1922, als Fauré für überholt galt und der Verleger Durand ihn mit seinem Auftrag aus der Altersdepression zu holen versuchte. Frei und abgeklärt verfügt Fauré dann über die kompositorischen Mittel und folgt der Maxime seiner französischen Kollegen, sich vom „Wagnérisme“ durch Clarté und lineare Machart abzugrenzen.
Das verlangt den von der deutsch-österreichischen Romantik geprägten Interpreten eine völlig andere Interpretationshaltung ab, zu der sie naturgemäß kaum Zugang haben. Allzu kraftvoll ist der gewohnte Klang, der normalerweise große Säle überbrücken muss und hier den kammermusikalischen Rahmen beinahe sprengt. Seine opulente Fülle belastet Faurés schwebende Lineaturen und die herbe Klangsprache im ersten und zweiten Satz.
Der eigentlich vorhandene reguläre dritte Satz wird in manchen Programmen und Werkbeschreibungen gar nicht erwähnt, so auch hier in Bad Urach, obwohl er aufgeführt wird – vielleicht weil Fauré ganz offen das „Lache, Bajazzo“-Motiv aus Leoncavallos Arie „Vesti la giubba“ zitiert und damit direkt auf seine schwierige Situation als Gehörloser und Sehbehinderter anspielt. Hier jedoch passt die dramatische Emphase der Musizierenden, und dem Schwarzenberg Trio gelingt ein schlüssiges Finale.
Mit Mendelssohns Klaviertrio d-Moll darf man ein berühmtes Kammermusikwerk wiederhören, das schon Robert Schumann zum „Meistertrio“ erklärte. Dieser Partitur wird die betont „romantische“ Deutung gerecht: Siegert und Lindenthal lassen die Saiten kraftvoll singen, im Tutti beeindrucken die drei mit orchestraler Klangfülle, nehmen sie aber auch wieder zurück, etwa im zweiten Satz, der im Stil der „Lieder ohne Worte“ mitunter Flüsterton verlangt.
Im leicht dahinjagenden, Elfenspuk-gleichen, dabei höchst anspruchsvollen Scherzo-Satz merkt man, wie schwierig hier das Zusammenspiel sein kann. Doch der Finalsatz entschädigt mit einer überzeugenden Gestaltung im Wechselspiel von elegischer Kantilene und scherzhaftem Perlen; die drei Musiker ziehen mit ihrem leidenschaftlichen Spiel das Ohr hautnah mitten hinein ins musikalische Geschehen.

Fürs Zuhören und den lebhaften Beifall des Publikums dankt das Trio mit einem entspannten mexikanischen Salonstück.


