Neun Frauen, ein Mann: Im UG der Reutlinger Wandel-Hallen ist die Gruppenausstellung des regionalen Künstlerverbands VBKW zu sehen: „grund der dinge“
REUTLINGEN. Der Andrang war riesig. Unter den wunderbaren Bögen im Untergeschoss der Reutlinger Wandel-Hallen ist am Sonntagnachmittag die Gruppenausstellung „grund der dinge“ eröffnet worden. Ein Team um Tanja Niederfeld hatte für die regionale Gruppe Neckar-Alb des Verbands der Bildenden Künstler und Künstlerinnen Baden-Württemberg VBKW ein Kuratorinnen-Trio engagiert, das eine strenge und enge Auswahl unter den eingereichten Arbeiten traf. Das bürgt für hohe Qualität. Von neun Künstlerinnen und einem Künstler waren 23 Werke zu sehen. Ob Malerei, Plastik, Installation oder etwas Zeichnung, Druckgrafik und Fotografie: Eine Tendenz zum Reduzierten, zum Elementaren, zum Abstrakten (neben der Tendenz zum Weiblichen) verband die Exponate. Wobei das Sujet Mensch als Gesicht und Gestalt ausgespart blieb.

Die Gastgeber vom Reutlinger Kunstmuseum hatten mit Jolanda Bozzetti und Anna Katharina Thaler das Jury-Trio um Kuratorin Bettina Michel komplettiert. Sie teilten sich auch eine Einführung, nachdem Tanja Niederholt für den regionalen VKBW die überraschend vielen Gäste begrüßt und die Ausstellung eröffnet hatte. Tanja Niederfeld selbst war mit drei Arbeiten unter dem einheitlichen Titel („Resonanz“) im mittleren Segment vertreten: zwei flächigen Farbholzschnitten im quadratischen Mittelformat und einem dystopisch düsteren Diptychon, einem Linolschnitt, dessen Druckfarbe sie durch Acryl ergänzte.
Sie sind raumgreifend und raumprägend, aber auch sehr filigran: die Arbeiten von Susanne Immer aus Aluminium. Die „Welle“ ist ein so zartes, blau lackiertes Metallband, dass es ein Windzug in sanfte Schwingung versetzen kann. Trotz knallroter Beschichtung des Metalls wirken die beiden anderen Plastiken ganz luftig, leicht und transparent.

Auf dem Titelfoto sind zwei Installationen von Ulrike Franz zu sehen, die den hinteren Teilraum prägen. Der Kategorie Konzeptkunst könnte man die „Künstlerbücher“ zuordnen, die sie auf einem Tisch versammelt hat. Papier ist das wichtigste Material für die Installation, das Environment „Blues & Jeans“, das sich weniger der Bekleidung, der Musik oder der Trauer widmet als vielmehr Elementarem: der Luft mit zwei eigenwillig gefalteten Schlangen, die zum Boden reichen, auf dem zwei Hügel aus Papierschnipseln den Boden, die Erde bedecken, sorgsam angehäuft.
Im Segment davor hat hingegen eine originelle Installation von Regine Krupp-Mez (neben Tanja Niederfelds zweidimensionalen Arbeiten) die dreidimensionale Lufthoheit. Sechs federleicht bedruckte „Traumkissen“ unterschiedlicher Göße lässt sie unter dem Titel „Maikäfer flieg!“ scheinbar schwerelos im Raum schweben.

Mirjam Thaler malt ganz klassisch in Öl auf Leinwand, mischt aber ihren im Gestus sanften und in Fläche und Motivik sparsamen Großformaten kostbare Pigmente bei, deren weiche farbige Leuchtkraft die Künstler seit jeher rühmen. Eine dieser Arbeiten ist gleich beim Eingang an der Stirnwand gehängt, zwei weitere am anderen Ende der Bogenhalle. Schräg davor das „Double Ready Made“, eine doppelte Bodenskulptur aus Alu-Resten, die Markus Wilke zur Ausstellung beisteuerte.

Mit Fotografie arbeitet Christine Dohms und erreicht dabei völlig gegenstandslos scheinende malerische Ergebnisse, denen sie Titel wie „spät im Jahr erglüht die Farbe“ gibt. Umgekehrt ist es bei Renate Gaisser. Sie malt florale Bilder in traditionellem Öl auf Leinwand („Sumpflilienkraut“), die von Ferne wie Fotografien oder Fotorealismus wirken, sich dem Auge beim Nähertreten immer mehr ins Abstrakte auflösen wie in die Pixel digitaler Fotografien. Birgit Krins-Gudat hat mit ihren Mischtechnik-Zeichnungen auf Holz eine ganz eigene Bildersprache gefunden und „bewegt H“ genannt: fast figürlich schon, dynamisch und durchaus zeichenhaft, auch in der zurückhaltenden Farbgebung, dabei aber zart und elegant.

Info: Die Gruppenausstellung „grund der dinge“ ist bis zum 26. April 2026 im UG der Wandelhallen in der Reutlinger Eberhardstraße 14 zu sehen. Geöffnet ist donnerstags von 17 bis 20 sowie samstags und sonntags je von 11 bis 17 Uhr. Zu sehen sind Arbeiten von Renate Gaisser, Christiane Dohms, Barbara Oswald, Regine Krupp-Mez, Tanja Niederfeld, Birgit Krins-Gudat, Markus Wilke, Mirjam Thaler, Ulrike Franz und Susanne Immer.



