Musik

Festsaal – Die Trans-Trompete

„Mozart con Tromba“: Im Festsaal der Tübinger Universität gab der Trompeter Matthias Höfs mit seinem Kammerensemble ein Weihnachtskonzert

TÜBINGEN. Mozart mochte die Trompete nicht. Sein Gehör war zu empfindlich dafür. Aber vielleicht hätte er sich das noch einmal überlegt, wäre ihm das geschmeidige Spiel des Trompeters Matthias Höfs zu Ohren gekommen. Mit „Mozart con Tromba“ war der Virtuose war am Donnerstagabend im ganz ordentlich besetzten Festsaal der Tübinger Universität zu Gast bei Museumsgesellschaft und Kulturreferat und gab mit seinem Kammerensemble aus lauter hochversierten Professoren-Musikern ein Weihnachtskonzert. Höfs hat Mozarts Vorlagen selber, vor allem für sein Instrument, zu klanglich interessanten Arrangements bearbeitet.

Trompeten-Virtuose Matthias Höfs (rechts) mit seinem Kammerensemble aus Florian Wiek (am Bechstein), Geigerin Anke Dill, Stefan Fehlandt (Viola) und Cellist Gustav Rivinius. Fotos: Martin Bernklau.

Die barocke Kirchensonate ist eine kleine Form, die in der katholischen Messe als instrumentales Intermezzo diente. Für seinen Salzburger Dienstherrn, den Erzbischof Colloredo, hat der junge Mozart (1756 bis 1791) eine ganze Reihe dieser Stücke komponiert, einsätzig. Die letzte davon, C-Dur, Köchelverzeichnis 336, schrieb er im Jahr 1780. Neben Matthias Höfs spielten der Pianist Florian Wiek, Anke Dill (Violine), der Bratscher Stefan Fehlandt (beide Professoren in Stuttgart), sowie Cellist Gustav Rivinius (Musikhochschule Saar), allesamt vielfach ausgezeichnete Solisten, weltweit gefragte Kammermusiker und auch Juroren.

Natürlich gebührte es Matthias Höfs, in seinen Mozart-Bearbeitungen die führende Rolle zu übernehmen. Sein sanglich weicher Ton durfte herausragen aus dem vom Klavier unterfütterten Streicherklang. Er hatte bei dem festlichen kleinen Stück Kirchensonate aber auch durchaus etwas Zupackendes, temperamentvoll Vorandrängendes. Man darf annehmen, dass Mozart eher nicht in dieser Weise instrumentiert hätte. Aber er und seine Epoche verfügten eben auch noch nicht über Instrumentalisten, die den traditionellen Ton der Trompete vom Fanfarenhaften ins weich Fließende oder auch bis in schnellste Läufe Melodische hätten erweitern können. Höfs kann das. Die paar kleinen intonatorischen Trübungen in diesem Eingangsstück und dem folgenden Streicher-Divertimento – vermutlich der Gewöhnung an Saal und Akustik geschuldet – betrafen ihn nicht.

Für drei weitere, durchaus geläufige Stücke hatte sich Höfs Bearbeitungen geschrieben. Sie klangen anders als klassischer Mozart, ungewöhnlich, vielleicht gewöhnungsbedürftig – wobei dessen filigran Federndes und der Charme seiner Melodik durchaus erhalten blieben. Man darf so etwas, alles legitim. Dogmatischer Purismus ist allenthalben out, jedenfalls nicht mehr das Alleinseligmachende. Beim „Kegelstatt“-Trio in Es-Dur, KV 498, begleiteten die ungemein virtuose Viola von Stefan Fehlandt und ein geläufiges Jeu perlé von Florian Wiek am Bechstei-Flügel den Solisten.

Als Streichtrio in Mozarts Divertimento Es-Dur (KV 563). Foto: Martin Bernklau

Höfs verwandelte seine kleine Ventiltrompete vom kraftvollen Signalgeber zum vollwertigen Kammermusikinstrument. In eine Trans-Trompete sozusagen, mit sanftem Melos, tupfenden Akzenten und flotten Läufen. Nur im Finale deutete er dreimal ganz dezent herkömmliches „Schmettern“ an. Faszinierend diese Bandbreite. Fehlerlos, makellos, ohne jedes Fremdgeräusch, das hätte stören können.

Furios setze er im frühen Quartett Es-Dur (KV 160) an, noch ganz galanter Stil, dem auch das Streichtrio mit flottem Spiccato und tollen Verzierungen eine spritzige Note gab. Als Rausschmeißer diente die Bearbeitung der Ouvertüre zur Oper „Die Entführung aus dem Serail“ (KV 384). Ungemein beweglich, fast rasant der erste Teil und seine Reprise, schön kontrastierend das weiche und besinnliche Mittelstück in Moll. Und die dafür gewechselte Trompete, sie passte auch da erstaunlich gut, passte sich prima ein.

Das Klavierquartett Es Dur – auch wenn der großartige Trompetenvirtuose Matthias Höfs hier pausierte vielleicht das beste Stück des Abends. Foto: Martin Bernklau

Bei zwei weiteren Mozart-Werken gab es keine Trompete. Vom kontrastreichen Divertimento Es-Dur, einem Spätwerk, bei dem Mozart sozusagen auf engstem Raum alles vorführt, über was er so leichthändig und nochchalant gebietet, war schon die Rede. Das vielleicht beste Stück des Abends aber war das Klavier-Quartett Es-Dur KV 493. Eine in Musikalität und Technik herausragende Leistung bot dabei Florian Wiek am Bechstein. Die drei Streicher waren aufs Feinste abgestimmt bis hinein in die Fugati, die durch die Stimmen rauschenden Skalen und die – an diesem Abend seltenen – eher düsteren Mozart-Töne in sanft melancholischem Moll. Großartig. Da waren lauter Mozart-Spezialisten zugange.

Der Beifall hatte sich im Laufe des Abends immer mehr gesteigert, so dass eine Zugabe völlig anderer Art fällig war, das Arrangement einer Filmmusik-Ballade von Michel Legrand, für die der großartige Bläser-Virtuose sein Flügelhorn hervorholte – französischen Ursprungs zwar, aber sehr amerikanisch im Klang. Wunderbar.

Viel Beifall und rote Rosen für Matthias Höfs und sein Kammerensemble im Festsaal der Uni. Foto: Martin Bernklau




Click to comment

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

To Top