Bühne

LTT – Besser aussterben

Das Tübinger Landestheater juxt mit Yael Ronens „Planet B“ locker und übermütig über all das Apokalyptische ab

TÜBINGEN. Das befreit, das tut gut – den Schauspielern, den Theatermachern, dem Publikum: all die drohenden Weltuntergänge mal hemmunngslos zu verjuxen.. „Planet B“ von Yael Ronen und Itai Reicher ist eine „Science-Fiction-Komödie“, eine gnadenlos alberne Fabel, die ein finales „Massenaussterben“ zu einer Art Dschungelcamp-Contest der Arten macht. Mittendrin: der Mensch, in Gestalt des Versicherungsvertreters Boris Baumann. Am Freitagabend war die Premiere für Thorsten Weckherlins knallbunte Inszenierung in einem nicht ganz ausverkauften Großen Saal des LTT.

Die Lametta-Aliens wollen einem Rest der Artenbelegschaft der Erde die Rettung auf einen Planet B bieten.

Für SciFi muss man ausgestattet sein. Das Intro geht ungefähr so: Aus dem Publikum erheben sich Aliens unter Lametta-Perücken, die einen splitternackten Max Schrammel aus Bottrop (Max Bajohr) und sein IPhone als archäologische Quelle auf der Bühne in ihre Mitte nehmen für ihr Vorhaben, sieben „Humanoiden“ beim unabwendbaren Massenaussterben die Chance für ein Weiterleben auf einem Planeten B zu bieten: einem Fuchs namens Juri (Sarah Liebert), der völlig frigiden Panda-Frau Friederike Pöschel, Leo Kramer als Krokodil, dem Huhn Andreas Guglielmetti, der Fledermaus Rolf Kindermann, der Ameise Sebastian Fink und besagtem Boris (Martin Bringmann).

Auch als Hausregisseurin am Berliner Maxim Gorki Theater hat die Israelin Yael Ronen für Furore gesorgt. Ihren von viel Improvisation, von Offenheit und Open End geprägten Stil hat sie auch auf das zusammen mit Itai Reicher fixierte Work-in-Progress-Stück „Planet B“ angewendet, das all die grassierenden Weltuntergangs-Ängste auf den Arm und mit ins rettende Raumschiff nimmt. Der theatralische Jux um die Apokalypse hatte im Sommer 2023 seine gefeierte Premiere am „Gorki“ in Berlin Mitte.

Viel Freiheit und Anarchie schon beim Blick auf Bühne und Kostüme (Ausstattung: Vincenz Hagemann). Da kann die Fantasie schon weit in ferne Welten schweifen. Manches bleibt mit einem Rest von Rätsel offen wie dieses Strampel-Fahrrad und die dampfenden Tonnen. Manches ist etwas platt und direkt wie das obligatorische Trump-Bashing mit dem Skelett, das seine Ami-Fahne um die knochigen Schultern trägt. Die kleine Drehbühne spuckt für die Auftritte ihre Kandidaten aus. Manchmal steigen sie auch aus dem Untergrund herauf ans Bühnenlicht unter dem großen Titel „Survivor“. Manchmal wartet man bei diesem Casting direkt auf einen ablästernden Dieter Bohlen.

Die meisten Arten überleben das Massenaussterben nicht.

Diese plakativen Einzelauftritte bieten eine Menge Möglichkeiten, revuehaft Schauspiel-Kunst als kleines Solo zu zeigen. Allerdings kaschieren sie auch die Schwäche des Konzepts und des Stücks. Da ist wenig Szenisches zu verdichten und bloß eine Menge Performance gefragt. Das betrifft auch den Text. Der Plot bietet wenig Spannung. Bei all der Fülle an wortwitzigen Gags hat er doch keine durchgängige Kraft. Es gibt Längen. Die etwas schlichte SciFi-Story trägt nicht ganz durch. Komödie mit getimeten Pointen statt gereihter Witze müsste mehr bieten.als „Witzischkeit“ – der Mensch-Humanoid Boris setzt da auch seinen hessischen oder odenwäldlerischen Zungenschlag ein. Die Musik von Jörg Wockenfuß hält zwar auch in den Songs das hohe LTT-Niveau, wirkt zuweilen aber auch etwas beliebig.

Alles in Allem: amüsante, erfrischend anarchische Bühnenkost, die sich ein bisschen halbsatirisch locker macht, statt vertiefter Grübelei über die Apokalypse zu frönen. Allerdings auch mehr knallbunte Comedy, weniger subtile Komödie. Eine nette Fingerübung. Ohne Zeigefinger.

Eine Wonderworld von Bühne. Foto: Martin Bernklau

Langer Beifall, Jubel, eine Polonaise rund ums Publikum.

Fotos: LTT

Info: Nächste Vorstellungen: am heutigen Samstag, 14.02.26 , 20.02.26, 13.03.26 , 20.03.26 , 26.03.26, 28.03.26, 11.04.26, 22.04.26, 26.04.26, 30.04.26

Click to comment

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

To Top