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Robin Hood – Alles Lüge!

In der Tübinger Blauen Brücke und im Reutlinger Cineplex Planie läuft „The Death of Robin Hood“ als Horrorfantasy um die Entzauberung des Helden vom Sherwood Forest

TÜBINGEN/REUTLINGEN. Gleich mal Entwarnung: Dem Mythos vom edlen Räuber, der den Reichen nimmt und den Armen gibt, all den Legenden um den Rächer der Enterbten kann „The Death of Robin Hood“ nichts anhaben. Der Film des amerikanischen Autors und Regisseurs Michael Sarnoski über diese fantastische Kultfigur nimmt nur ein paar Elemente aus den reichen und bunten Überlieferungen um den englischen Helden als Vorwand, um daraus einen von Gewalt triefenden Mittelalter-Schocker zu machen. Nach einem kurzen, nur erzählten Intro um den alternden Verbrecher nichts als Gemetzel, Gemorde, Gesteche und Gebrenne. Viel Nebel, viel Feuer, viel Rauch, viel Blut, dazu Schmutz und Schlamm en masse.

Die in den Details wirre Story um Reue und Rache, Liebe und Treue wird nicht wirklich schlüssig und plausibel. Der Film entwickelt keine glaubhafte Charaktere, oder kaum. Der wild zusammengebastelte Plot kommt eigentlich auch nicht richtig voran und baut vor allem keinen Spannungsbogen auf um den legendären Bogenschützen. Dafür scheint den Regisseur jener Kopf besonders zu faszinieren, den ein Pfeil von hinten durchs Auge durchbohrt, den Getroffenen aber laufen lässt wie den geköpften Gockel auf dem Hühnerhof. Immerhin: Das alternde Gesicht des Helden (Hugh Jackman) macht in vielen Close-ups schon Eindruck: wie Michelangelos Moses in Marmorstein gemeißelt. Schauspielerisch kommt eher wenig hinzu. Und bei den anderen Figuren lohnen Nahaufnahmen nicht. Praktischerweise verschwindet das Gesicht des aussätzigen Helfers hinter einer unbeholfenen Maske.

Die vorgebliche Priorin (Jodie Comer), die den schwerstverletzten Verbrecher wider alles Erwarten mit reichlich Aderlass doch wieder gesundpflegt, ist ein junges Ding und sieht eher nach einem Mädchen mit Perlenohrring aus als nach der Äbtissin eines bedeutenden Klosters. Andere Nonnen gibt es überhaupt nicht, nur ein paar Kinder in klösterlicher Obhut, darunter die Tochter (Faith Delaney) des ermordeten Komplizen. Die imposante Abtei auf der Insel sieht man nur aus der Ferne und in ein paar Innenaufnahmen alter Gemäuer. Klosterleben? Außer etwas Gartenarbeit: null. Die oft keltisch-irisch angehauchten Klänge des Folkmusikers Jim Ghedi allerdings könnten einen guten Film schon zieren.

Die Läuterung des reuigen Mordbrenners Robin Hood („He was no Hero“) wäre – wie Schuld und Sühne, Vergebung und Ausstieg aus dem Teufelskreis von Gewalt und Rache – schon ein brauchbares Sujet gewesen, wüsste Sarnoski solche Wandlung wirklich zu bebildern statt nur mit der vollen Dröhnung an Pathos zu behaupten. So bleibt eine Überdosis an exzessiven Gewaltdarstellungen und viel Geraune ohne glaubhaften Tiefgang übrig von diesem Film. Und ein ansonsten ganz unbeschadeter Robin Hood.

Foto: Verleih;122 min; FSK ab 16

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