Im Tübinger Museum läuft die „Heimsuchung – Eine Jahrhundertgeschichte“ von Volker Schlöndorff an
TÜBINGEN. Literaturverfilmungen werden meist mit ihren Vorlagen verglichen. Bei Volker Schlöndorffs „Heimsuchung – Eine Jahrhundertgeschichte“ nach dem großartigen Roman von Jenny Erpenbeck kommt noch ein anderer Vergleich hinzu: der mit seiner oscar-gekrönten Adaption der „Blechtrommel“ von Günter Grass vor 47 Jahren – ein ganz ähnliches Unterfangen. Denn auch Jenny Erpenbecks „Heimsuchung“ beleuchtet Geschichte. Auch sie tut das in einer Sprache von höchstem Rang. Schon das beeindruckende Staraufgebot des Films dürfte für Qualität bürgen. Und sein Handwerk hat der 87-jährige Regisseur seither gewiss nicht verlernt. Man gab ihm gern die Ehre. Vielleicht ist die „Heimsuchung“ ja Schlöndorffs Vermächtnis.
Hauptfigur der Films (wie schon des Romans) ist aber eigentlich dieses Haus an einem brandenburgischen See – gedreht wurde vor allem am Scharmützelsee. Der ziemlich gewaltätige Bürgermeister (Detlef Buck) enterbt wegen einer Liebelei seine und verkauft das Seegrundstück zum kleineren Teil für ein kleines Ferienhaus an die Familie eines jüdische Fabrikanten (Ulrich Matthes), zum größeren an einen erfolgreichen Architekten aus dem nahen Berlin (Lars Eidinger), dessen zweite Frau (Susanne Wolff) sich ein superschickes neusachliches Holzhaus als gemeinsamen Wohnsitz und Hochzeitsgeschenk gewünscht hat.
(morgen mehr)
118 min, FSK ab 12
