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Benefiz – Singen und spielen

In der Reutlinger Kreuzkirche musizierte das Schwestern-Duo Harper für Bedürftige im Ringelbachquartier

REUTLINGEN. Ein etwas zwiespältiger Klavierabend: der Auftritt der Schwestern Natasha und Anna Harper zugunsten bedürftiger Familien in der Reutlinger Kreuzkirche am gestrigen Mittwoch, veranstaltet durch das Kulturforum der Stiftung lebenswerte Nachbarschaft im Reutlinger Ringelbachquartier.

Offenbar wurde dieses Konzert privat organisiert. So wäre erklärbar, dass in der Ankündigung zwar von „international ausgezeichneten Klaviervirtuosinnen“ die Rede war, ihre Namen aber nicht auf dem Programmzettel standen. Auch die Werkfolge sowie die Moderation durch Natasha Harper waren zugleich bunt und unprofessionell, das Auditorium schwach besetzt.

Natasha Haqrer, die auch moderierte, singrenjd am Flügel, Fotos: Susanne Eckstein

Die beiden Schwestern sind noch jung. Soviel im Internet herauszufinden war (vom Veranstalter gab es keine schriftlichen Informationen), sind sie in Kalifornien geboren und kommen aus den USA und aus Belarus (Minsk). Natasha ist wohl 21 Jahre alt, Anna achtzehn. Beide haben zeitig mit dem Klavierspiel angefangen und sich mehrfach an Wettbewerben beteiligt. Natasha studiert derzeit an der Musikhochschule Stuttgart und betreut als Tutorin ausländische Studierende.

Wenn man liest, dass zwei Schwestern am Klavier auftreten, stellt man sich unwillkürlich ein Klavierduo vor. Aber weit gefehlt – die beiden musizierten vorwiegend allein, allerdings nicht nur am Klavier, sondern auch singend und an der Orgel. Wer zu Beginn erwartungsvoll nach vorn auf den Flügel schaute, war überrascht, von hinten, von der Empore her Orgelmusik zu vernehmen. Natasha Harper spielte dort das Concerto a-Moll, das Johann Sebastian Bach von Antonio Vivaldi übernommen und bearbeitet hat (BWV 593). Dabei zeigte sie flinkes pianistisches Können.

An den Flügel setzte sich danach ihre Schwester Anna, sie stellte sich mit dem Kopfsatz aus Haydns Klaviersonate in C Hob. XVI/50 vor, frisch, temperamentvoll und brillant. Der Zugriff der Schwestern ist ähnlich, spontan und direkt. Beide spielen alles komplett auswendig, verfügen über eine wirklich beeindruckende technische Sicherheit und teilen die Vorliebe für lebhafte Bewegung und starke Kontraste. Der Kopfsatz aus Beethovens Klaviersonate op. 90 e-Moll erschien unter Natasha Harpers Händen sehr kontrastreich, fast überzeichnet.

Eine weitere Überraschung folgte mit Haydn: Dessen Canzonetta „Despair“ aus den zwölf englischen Liedern sang Natasha Harper selbst, während sie sich am Flügel begleitete – derlei hat man seit längst verflossenen Salon-Zeiten nicht mehr erlebt. Dem folgten Robert Schumanns frühe „Abegg“-Variationen, von Anna Harper mit großer virtuoser Brillanz präsentiert und vom Publikum bejubelt.

Anna Harper glänzte unter anderem mit Schumanns „Abegg“-Variationen. Foto: Susanne Eckstein

In eine ganz andere Welt führte das schlichte „Pie Jesu“ aus Gabriel Faurés Requiem. Dafür ließ sich Natasha als Solo-Sängerin oben auf der Empore durch ihre Schwester an der Orgel begleiten, die gleich danach am Flügel unten zu Maurice Ravels „Jeux d’eau“ überging. Ihre technische Souveränität ist phänomenal, allenfalls könnte sie noch an der Gestaltung arbeiten. Wie gesagt – sie ist erst achtzehn Jahre alt, spielt aber wie ein gestandener Routinier. Ihre Schwester Natasha ebenso, die danach mit dem Finalsatz aus Sergei Prokofjews Klaviersonate Nr. 2 op. 14 beeindruckte. Auf diese Musik passte der trockene, harte Zugriff hervorragend, der die rauschenden Klangkaskaden kontrastierte.

Danach dann ausgerechnet Edvard Griegs „Ein Traum“ zu singen, zeugt von einer gewissen Unbekümmertheit, zumal Natasha Harpers sängerisches Können nicht die Höhe ihrer pianistischen Fertigkeiten erreicht. Zurück zum glanzvollen Klavierspiel ging es dann mit der Etude-Tableau Es-Dur von Sergei Rachmaninoff, mit der Anna Harper einen Klangrausch sondergleichen und großen Jubel entfachte.

Viel Beifall für das Schwestern-Duo. Foto:Susanne Eckstein

Als Zugabe spielten die Schwestern dann tatsächlich doch vierhändig, Khatchaturians Walzer aus „Maskerade“ –  schwungvoll, synchron, musikalisch ein Herz und eine Seele, ein echter Hörgenuss. Vielleicht sollten sie sich künftig als Duo aufs vierhändige Klavierspiel konzentrieren?

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