In eigener Sache: Die Cul-Tu-re.de Seite war seit der Nacht auf Donnerstag nicht mehr zugänglich („forbidden“). Der Verdacht eines Hackerangriffs – von wem auch immer – war zunächst nicht auszuschließen.
Nach Auskunft des Server-Betreibers web.de war der Grund jedoch ein „weltweites Problem“ mit der Software „WordPress“. Weil ein Ende des Ausfalls „mehrere Tage, eventuell bis Mitte der Woche“ in Anspruch nehmen würde, haben wir die beabsichtigten Konzertbesuche und die geplanten Kritiken absagen müssen.
Wir bitten den KHG-Chor (Johanneskirche), das SWR-Vokalensemble (in der Stiftskirchen-Motette) sowie das Ensemble Horizons (Chorkonzert im Silchersaal), alle Sängerinnen und Sänger, die Veranstalter und vor allem alle unsere Leser um verständnisvolle Nachsicht und hoffen trotzdem auf eine treue und weiter wachsende Leserschaft. (Die eingefügten Links auf die Chöre funktionieren einstweilen noch nicht.)
Unsere hochgeschätzte Autorin Dr. Susanne Eckstein hat sich nicht entmutigen lassen, den Konzerttermin in Bebenhausen („auf Verdacht“) trotzdem besucht und pünktlich ihre Rezension mit Fotos und Links fertiggestellt. Der Text sei, mit ganz großem Dank, jetzt mit entsprechender Verspätung veröffentlicht. Martin Bernklau
In Bebenhausen beschlossen die Berliner Symphoniker unter Gudni Emilsson die Reihe der Sommerkonzerte – mit zwei Violinkonzerten
BEBENHAUSEN. Wenn ein Studentenorchester zwei Solokonzerte nacheinander spielt, mag man das als „unkonventionell“ zur Kenntnis nehmen. Im Fall der Berliner Symphoniker – wenn auch nur ihres Kammerorchesters unter der Leitung von Gudni A. Emilsson, dem künstlerischen Leiter der beliebten Tübinger Konzertreihe – fragt man sich schon, ob das eine grundsätzliche Abkehr von den Konzert-Traditionen anzeigt. Die Orchester müssen ja nicht immer die hergebrachte Reihenfolge Ouvertüre-Solokonzert-Sinfonie einhalten, aber zwei Solokonzerte direkt nacheinander, gleich zu Konzertbeginn gespielt von derselben Solistin (in diesem Fall der Geigerin Elisso Gogibedaschwili), sind ungewöhnlich.
Damit begann – laut Programm – das ausverkaufte Abschlusskonzert der diesjährigen Bebenhäuser Sommerkonzertreihe, veranstaltet von der Museumsgesellschaft und dem Kulturreferat der Universität Tübingen. Die ersten Töne, die im Sommerrefektorium erklangen, gehörten jedoch nicht zu dem eigentlich vorgesehenen Rondo A-Dur (D 438) von Franz Schubert , sondern zu der Ouvertüre von Joseph Haydns Violinkonzert Nr. 1 C-Dur, das in der Werkfolge an zweiter Stelle stand.
Auch wenn Haydn den ersten Teil seines Violinkonzerts (um 1765) nicht mit „Ouvertüre“ überschrieben hat, konnte man deutlich die barocken Elemente hören, die das Werk prägen, vor allem die zahlreichen Ornamente, denen sich Elisso Gogibedaschwili mit schlankem Ton und konzentrierter Sorgfalt widmete. Im langsamen Mittelteil nach Art eines „Airs“ verband sie den empfindsamen Stil mit romantischem Gefühl und überzeugte im Finalsatz mit leidenschaftlicher Spielfreude.
Danach kündigte der Dirigent Nielsen an. Das Programm wurde komplett umgestellt: Dem Haydn-Konzert folgte zunächst die Streicher-Suite op. 1 (1887) von Carl Nielsen. Nun konnte man das Kammerorchester der Berliner Symphoniker ohne Solisten in reiner Streicherbesetzung erleben: acht Violinen, drei Bratschen, zwei Celli, ein Kontrabass, wobei die Violinen das Klangbild dominierten. Carl Nielsens Jugendwerk wurde unter Emilssons lebhafter Leitung geradezu sprechend durchgestaltet. Da wurde nicht elegant geglättet, sondern die Ecken, Kanten und Brüche in den zwei ersten Sätzen detailgenau hörbar gemacht. Der Finalsatz jedoch erinnerte in seiner emphatisch-direkten Art an das etwas ältere Schwesterwerk von Tschaikowsky.
Nach der Pause, in der das Publikum zum letzten Mal in diesem Sommer die Abendstimmung im Kreuzgang genoss, wurde Schuberts jugendliches Rondo A-Dur (1816) nachgeholt. Ihm schien sich die junge Geigerin mit viel Bedacht und Kontrolle zu nähern. Sie gestaltete ihren schlanken Ton so sorgsam und meisterte die virtuosen Passagen mit soviel Akribie, dass Spontaneität und Leichtigkeit fast zu kurz kamen. Das Zögern und die Steigerung zum Schluss hin wirkten etwas aufgesetzt, verfehlten aber ihre Wirkung nicht. Für den Applaus des Publikums dankte Elisso Gogibedaschwili mit dem Adagio aus Vivaldis „Winter“ aus den „Vier Jahreszeiten“.
Den Abschluss dieses Konzerts und der Saison bildete Edvard Griegs Streichersuite op. 40 „Aus Holbergs Zeit“, 1884 als Hommage an den norwegischen Barockdichter Ludvig Baron Holberg zu dessen 200. Geburtstag komponiert. Dabei huldigte Grieg nicht barocker Kontrapunktik, sondern füllte die damalige Tanzsuite mit neuem Inhalt: frischer Melodik und romantischem Fühlen. So interpretierten die Streicher der Berliner Symphoniker und Gudni Emilsson sie auch, mit spontaner, doch differenzierter Spielfreude, saftigem Klang und großem Schwung. Das Publikum genoss schwebende Leichtigkeit in der Sarabande, folkloristisch inspirierte Bordunklänge in der Gavotte, Romantik pur im Air und spritzige Tanzrhythmen im Rigaudon; die ruhige Episode darin entsprach ganz der Abendstimmung im dämmrigen Klostersaal. Anhaltender Applaus, keine Zugabe.
